DSLR Grundlagen

Grundlagen der Videokamera und DSLR, ein Grundkurs f√ľr alle die sich neu mit diesem Thema befassen wollen oder gerade den Einstieg in die Medienbranche gewagt haben.

Hauptaugenmerk in diesem Artikel wird die DSLR sein. In den letzten Jahren hat sich diese Art der Kamera in großen Teilen der Medienbranche etabliert und breite Zustimmung gefunden.

Ich selber setze seit vielen Jahren auf diese Technik. Derzeit konkret mit der Panasonic GH5.

Die Möglichkeit Objektive zu wechseln und die Kamera modular zu erweitern haben mich zu diesem Schritt bewogen und das habe ich bis heute nicht bereut.

DSLR Panasonic GH-5

Es ist aber schon nötig sich ein bisschen mehr mit diesem Thema zu befassen, denn anders als bei einer klassischen Videokamera sind bei einer DSLR nicht alle nötigen Komponenten schon verbaut.
Vielmehr ist es nötig die richtigen Komponenten sinnvoll zusammenzustellen.
Dazu ist ein gewisses Grundwissen n√∂tig welches ich in diesen Artikel √ľber die DSLR Grundlagen vermitteln m√∂chte.

Die Hauptkomponenten

Body und ObjektivDie wichtigsten Komponente einer DSLR sind das Objektiv und der Body. Das ist grundsätzlich bei allen Kameras gleich. Sei es eine klassische Videokamera, eine DSLR, eine GoPro, eine Handykamera oder eine Drohne.

Erst das Zusammenspiel dieser beiden Komponenten ermöglicht Videoaufnahmen. Das ist insbesondere wichtig wenn man sich dazu entscheidet mit einer DSLR zu filmen, da man sich diese Komponenten unabhängig voneinander zusammenstellt.

DSLR Grundlagen: Das Objektiv

DSLR Grundlagen – Das Objektiv: Durch verschieden angeordneten Linsen im Objektiv wird bestimmt auf welche Art und Weise das Licht eingefangen und auf den Chip gebracht wird. Nah oder fern. Vorne oder hinten scharf.

Außerdem wird durch die sogenannte Blende bestimmt wie viel Licht durch das Objektiv in die Kamera kommt.

Die Blende ist eine mechanische Vorrichtung. Diese kann sich öffnen und schließen. Je nachdem wie groß oder klein das resultierende Loch ist kommt dementsprechend viel oder wenig Licht hindurch.

Das Bild in der Kamera erscheint je nachdem hell oder dunkel. Je höher die Zahl der Blende (die Blendenzahl) ist, desto weiter geschlossen ist sie. Je niedriger die Blendenzahl umso weiter geöffnet ist sie.

Die Brennweite

Bei einer DSLR ist es √ľblich die Brennweite manuell am Objektiv selbst einzustellen. Die Brennweite entscheidet dar√ľber ob das Objekt dass man filmt nah oder fern erscheint.

Man k√∂nnte auch umgangssprachlich sagen der Zoom. Eine niedrige Brennweite in Millimetern bedeutet einen geringen Zoomfaktor. Das Objekt dass man filmt erscheint also fern. Man sagt dazu auch eine „totale“ Aufnahmeeinstellung.

Je höher die Brennweite in Millimeter angegeben wird umso näher erscheint das Objekt.
Es gibt Zoomobjektive bei denen man die Brennweite einstellen kann, bei Festbrennweiten ist dies nicht m√∂glich. Daf√ľr haben diese Objektive √ľblicherweise andere Vorteile, wie zum Beispiel eine hohe Lichtst√§rke. Das bedeutet dass auch bei schlechten Lichtverh√§ltnissen sch√∂ne Bilder gemacht werden k√∂nnen.

Die Schärfe

Ebenfalls am Objektiv selber wird die Schärfe eingestellt. Je nachdem in welche Richtung man das Rad bewegt liegt der Punkt der Schärfe weiter vorne oder weiter hinten im Bild.
Insbesondere bei neueren Kameras besteht auch die Möglichkeit die Schärfe sinnvoll automatisch steuern zu lassen.

Die Qualitätsmerkmale

Was sind nun also die Qualitätsmerkmale eines Objektivs und welche sollte man sich kaufen?
Jedes Objektiv hat seine Vor- und Nachteile. Entweder hat es einen gro√üen Bereich der Brennweite, d.h. man kann sowohl sehr total, als auch sehr nah Filmen, oder es ist sehr Lichtstark. Beides zusammen ist sehr schwierig umsetzbar und wenn √ľberhaupt sehr teuer.
Da ist es nat√ľrlich ein Vorteil der DSLR dass man die Objektive wechseln kann. So kann man je nach Situation das passende Objektiv verwenden.

Beispielsweise hat dieses Objektiv von Tamron, das 14-150mm F/3.5-5.8 Di III, einen sehr weiten Brennweitebereich.

Daf√ľr ist die Lichtst√§rke, je nachdem ob man total oder nah filmt, verschieden.

Je weiter man reinzoomt desto höher wird die Blende und weniger Licht kommt hindurch.

Das kann durchaus zu Schwierigkeiten f√ľhren wenn man zum Beispiel eine Abendveranstaltung filmt.

Dann muss man zur korrekten Belichtung die Empfindlichkeit des Sensors soweit steigern dass ein unsch√∂nes Bildrauschen entsteht. Dieses Objektiv verwende ich nur wenn ich sehr wenig Zeit habe (denn man ist sehr flexibel damit) und gen√ľgend Licht vorhanden ist.

Tamron 14 - 150 mm

Lumix 12 - 35 mm

Dieses Objektiv von Panasonic, das H-HSA12035 LUMIX G X VARIO 12-35 mm / F2.8 II ASPH. / O.I.S., hat dagegen eine etwas geringere Brennweite. Das bedeutet man kann nicht so weit hinein zoomen.

Daf√ľr ist die Lichtempfindlichkeit konstant bei guten 2,8 egal bei welcher Brennweite man filmt.

Dieses Objektiv ist optimal f√ľr zum Beispiel dokumentarische Imagevideos bei wechselnden Lichtverh√§ltnissen.

Festbrennweiten k√∂nnen zwar nicht zoomen, sind daf√ľr aber sehr Lichtstark.

Um f√ľr jede Situation ger√ľstet zu sein habe ich drei Festbrennweiten die einen Gro√üteil der √ľblicherweise ben√∂tigten Brennweiten abdecken.

Eine 12 mm von Olympus, eine 25 mm von Panasonic (hier der Link zur Mark II, ich habe die Mark I und bin sehr zufrieden) und eine 45 mm von Olympus.

Diese Objektive kommen zum Einsatz bei szenischen Videos und Interviews.

Festbrennweiten

Ein weiterer gew√ľnschter Effekt ist die so genannte Sch√§rfentiefe. Diese wird geringer je weiter man die Blende √∂ffnet.

Mit geringer meint man dass der Bereich der scharf ist sehr kurz ist.

Somit ist es möglich Objekte vom Hintergrund schön zu separieren, da der Hintergrund unscharf erscheint. Das verleiht dem Bild mehr Tiefe.

Da bei Festbrennweiten die Blende sehr weit ge√∂ffnet werden kann ist bei diesen dieser Effekt besonders hoch. Das verwende ich gerne bei Interviews und cineastischen Aufnahmen im ‚ÄěFilmlook‚Äú

DSLR Grundlagen: Der Body

DSLR Grundlagen – Der Body: Den Body w√ľrde ich als das Herzst√ľck einer DSLR bezeichnen. Hier wird alles gesteuert und vor allen Dingen befindet sich das wichtigste Bauteil in ihm, der Sensor.

Der Sensor

DSLR MFT SensorDas vom Objektiv eingefangene Licht wird auf den Sensor projiziert. Das ist genau die Stelle wo fr√ľher der Film war.

Der Sensor ist ein lichtempfindlicher Chip mit vielen einzelnen Sensoren.

Vereinfacht ausgedr√ľckt bildet jeder dieser Sensoren einen Bildpunkt ab, genannt Pixel. Alle Pixel zusammen ergeben das Bild.

Sensoren gibt es in vielen verschiedenen Bauarten. Unterschiedliche Auflösungen und unterschiedliche Größen.

Ich selber benutze bei meiner Videoproduktion mit der Panasonic GH5 den so genannten Micro Four Thirds Sensor. Diese hat eine Bilddiagonale von 21,633 mm.

Die Bildsensoren zum Beispiel der Sony alpha Kameras haben einen doppelt so großen Chip, nämlich den Vollformat mit 43,267 mm.

W√§hrend es f√ľr viele meiner Kollegen eine sehr wichtige Grundvoraussetzung f√ľr eine Kamera ist, komme ich mit dem Micro Four Thirds Sensor hervorragend zurecht und finde die Bildqualit√§t wunderbar.

Die Grundeinstellungen

DSLR Grundlagen РDie Grundeinstellungen: In diesem Kapitel gehe ich auf die wichtigsten Grundeinstellungen ein, die bei einer DSLR gemacht werden sollten. Diese erkläre ich anhand meiner Panasonic GH5, aber diese Einstellungen sind bei allen Kameras im Prinzip gleich.

Videofunktion einstellen

Um auf die Videofunktion zu kommen muss bei der GH5 das große Auswahl Rad oben auf dieses Symbol gestellt werden.

Auswahlrad steht auf Video

Belichtungsmodus einstellen

Belichtungsmodus einstellen

Im Men√ľ kann man den Belichtungsmodus einstellen. Bei der GH5 hat man die Auswahl zwischen P A S & M

Belichtungsmodus M

Im Belichtungsmodus M werden alle Belichtungseinstellungen manuell eingestellt. Das betrifft die Blende und den Shutter.

Ein weiterer Faktor f√ľr die Belichtung eines Bildes ist die Empfindlichkeit des Sensors ISO. Diese kann man unabh√§ngig vom Belichtungsmodus automatisch einstellen oder manuell.

In diesem Modus werden also alle Einstellungen der Belichtung manuell eingestellt. Bei der professionellen Videoproduktion ist dies wohl die am häufigsten verwendete Art und Weise Bilder zu belichten. Einfach aus dem Grund dass man die volle Kontrolle hat.

Belichtungsmodus A

In diesem Modus steht das A f√ľr Aputure, also Blende. Es bedeutet dass die Blende manuell eingestellt wird, w√§hrend der Shutter automatisch gesteuert wird.

Auch in diesem Modus wird separat entschieden ob die Empfindlichkeit des Sensors ISO automatisch oder manuell eingestellt wird.

Dieser Modus hat zum Beispiel den Vorteil dass man die Blende weit öffnen kann, um den schönen Look einer geringen Schärfentiefe zu erzeugen und dabei trotzdem nicht auf den Komfort einer automatisch eingestellten Belichtung verzichten muss.

Der Nachteil besteht darin dass unter Umst√§nden die Belichtungszeit des Shutters sehr kurz wird. Dies hat Auswirkungen auf die Bewegungsunsch√§rfe und kann zu unsch√∂n ruckelnden Bildern f√ľhren.

Belichtungsmodus S

In diesem Modus steht das S f√ľr Shutter. Es bedeutet dass¬†der Shutter manuell eingestellt wird, w√§hrend die Blende automatisch gesteuert wird.

Auch in diesem Modus wird separat entschieden ob die Empfindlichkeit des Sensors ISO automatisch oder manuell eingestellt wird.

Dieser Modus hat den Vorteil dass man den Shutter auf 180¬į fixieren kann und so eine korrekte Darstellung der Bewegungsunsch√§rfe garantiert ist.

Der Nachteil: Zur korrekten Belichtung des Bildes ist es nun gut m√∂glich dass die Blende automatisch weiter geschlossen wird. Dadurch vergr√∂√üert sich die Sch√§rfentiefe und der sch√∂ne „Filmlook“ geht dadurch verloren.

Belichtungsmodus P

In diesem Modus werden sowohl Shutter als auch Blende automatisch gesteuert.

Auch in diesem Modus wird separat entschieden ob die Empfindlichkeit des Sensors ISO automatisch oder manuell eingestellt wird.

Wird dieser Modus benutzt und ISO auf Automatik gestellt so wird das Bild komplett automatisch belichtet. Das hat nat√ľrlich den gro√üen Vorteil dass man sich zum Beispiel bei dokumentarischen Filmen komplett auf die Protagonisten konzentrieren kann.

Obwohl zum Beispiel meine Panasonic GH5 in diesen Modus einen guten Job macht. Ist eine nachträgliche Farbkorrektur in der Postproduktion auf jeden Fall nötig.

Da nicht garantiert werden kann dass der Shutter immer auf 180¬į steht, ist es m√∂glich, dass die Bewegungsunsch√§rfe etwas variiert. Da ich aber fast immer mit f√ľnfzig Bildern pro Sekunde filme fallen die Abweichungen meiner Meinung nach nicht ins Gewicht. Gerade wenn es um Dokumentationen geht, denn da steht ja die Story im Vordergrund.

Rec Format einstellen

Set Rec FormatIm Men√ľpunkt „Rec Format“ in welchem Format bzw, Container die Videos aufgenommen werden.

F√ľr die Videoproduktion w√ľrde ich empfehlen hier „MOV“ auszuw√§hlen.

Rec Quality einstellen

Nachdem das Format bzw. der Container f√ľr die Videodateien ausgew√§hlt wurde, wird nun festgelegt in welcher Bildaufl√∂sung, Farbunterabtastung (chroma subsampling), Farbtiefe und Bildergruppe (Group of Pictures GoP) gefilmt werden soll.

Hierbei gibt es keine Grundregel die einzuhalten ist, vielmehr muss vor jedem Dreh aufs Neue entschieden werden was hier die richtige Einstellung ist.

F√ľr die √ľblichen Socialmedia Imagevideos benutze ich aber folgende Einstellungen:

FHD, 10bit, 150M, 50pset rec quality

Full HD (1920×1080) ist als Master in den mei√üten f√§llen ausreichend, 10bit (mit 422) erlaubt einen gro√üen Spielraum bei der Farbkorrektur, LongGOP erspart viel Speicherplatz (die detaillierte Darstellung von sich bewegenden kleinen Objekten ist bei All-Intra minimal und f√ľr Onlinezwecke werden diese in der finalen Codierung sowieso wieder entfernt), 150Mbps ist eine gut ausbalancierte Datenrate, 50p also f√ľnfzig Bilder pro Sekunde macht ein sch√∂n fl√ľssiges Video (nicht geeignet f√ľr den „Filmlook“)

Focus einstellen

Autofocus knobÜber dieses kleine Einstellrädchen wird eingestellt ob der Fokus manuell (MF) am Objektiv selber eingestellt wird, oder automatisch (AFS).

Damit der Fokus kontinuierlich scharf stellt ist es wichtig im Men√ľ den „Continous AF“ zu aktivieren.

Weißabgleich einstellen

Der Weißabgleich ist eine wichtige DSLR Grundlage. Die Farbtemperatur von Licht ist sehr Unterschiedlich. Sonnenlicht ist bläulich und Kunstlicht rötlich.

Wir selber bemerken das nicht weil unser Gehirn automatisch blitzschnell einen Weißabgleich erzeugt.

Eine Videokamera und DSLR kann auch automatisch den Wei√üabgleich einstellen, davon rate ich aber unbedingt ab. In der Postproduktion ist es dann sehr schwer die Farbkorrektur durchzuf√ľhren wenn w√§hrend einem Shot die Kamera den Wei√üabgleich umstellt.

Um den Wei√üabgleich manuell einzustellen w√§hlt man¬† „Select White Set“ aus, h√§lt ein wei√ües Blatt Papier in die jeweilige Lichtsituation und l√∂st dann den Wei√üabgleich aus. Entweder in dem man auf den Men√ľknopf dr√ľckt, oder Set auf dem Touch Display dr√ľckt.

Da ich meine Videos grunds√§tzlich in der Postproduktion Farbkorrigiere, und der Codec der Panasonic GH5 einen guten Spielraum l√§sst, benutze ich auch h√§ufig die Preset Einstellungen. Tageslicht im Sonnenschein, Wolkig und Kunstlicht f√ľr Innen.

DSLR Grundlagen: Die ersten Aufnahmen

DSLR Grundlagen – Die ersten Aufnahmen: Das sind meiner Meinung nach die grundlegendsten Dinge die man wissen sollte. Jetzt bist du bereit rauszugehen und die ersten Versuche und Aufnahmen zu machen.

Dabei ist es auch v√∂llig okay erst mal die automatische Funktionen zu benutzen und sich dann langsam Schritt f√ľr Schritt der manuellen Belichtung und den weiteren Funktion in der Kamera zu widmen.

Dieser Artikel bricht nur einen Bruchteil der M√∂glichkeiten einer Kamera an. Am besten ist es einfach mal herum zu probieren und sich durch das Men√ľ zu klicken.

Als Ratschlag, der eigentlich sehr logisch klingt aber meiner Erfahrung nach wenige machen, ist einfach mal ins Handbuch zu schauen. Nur durch bloßes durchblättern kommt man schon auf Ideen, auf die man vorher gar nicht gekommen wäre.

Solltest du noch unklarheiten haben oder eine Frage, darfst du diese selbstverständlich in den Kommentaren stellen. Ich werde gerne zeitnah diese Fragen beantworten.

Jetzt viel Spaß bei deinen ersten Schritten in die Filmwelt.

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